Wie teuer ist ein Follower?

Veröffentlicht am 08.03.2018 von Judith

Böse Überraschung für einen US-amerikanischen Ex-Social-Media-Manager: Nachdem er für seinen Arbeitgeber professionell getwittert hatte, verklagt ihn dieser acht Monate nach der Kündigung auf die Zahlung von 2,50 Dollar pro Follower und Monat seit Ausscheiden aus dem Unternehmen. Noah Kravitz hatte unter anderem Accountnamen weitergetwittert, seine 17.000 Follower aber mitgenommen – entspricht: 340.000 Dollar.

Wie so oft muss für eine juristische Grauzone irgendwann, ereignisgetrieben, eine hieb- und stichfeste Antwort gefunden werden. Ein New Yorker Anwalt, der sich auf geistiges Eigentum spezialisiert hat, berichtet der New York Times leutselig, dass auf diesen Fall bereits gewartet wurde, dass er ein Präzedenzfall würde und dass das größte Problem im Allgemeinen darin läge, „dass viele Unternehmen bis heute keine Richtlinen für den Social Media-Einsatz haben.“

Letzteres mag sehr zutreffen. Persönliche Gespräche mit Mittelstandsunternehmern oder deren Kommunikationsbeauftragten bekräftigen diesen Eindruck. Jedenfalls eher, als das Gegenteil.

Dasselbe Problem nämlich könnte jederzeit auch deutsche Unternehmer betreffen: Der hierzulande größte IT-Branchenverband BITKOM hat branchenübergreifend 1.500 Unternehmen zu ihren Social-Media-Aktivitäten befragt. Fast jeder fünfte Mittelständler (17 Prozent) mit einem Jahresumsatz zwischen einer und 50 Millionen Euro beschäftigt demnach mindestens einen „Social-Media-Manager“, bei den großen Unternehmen mit mehr als 50 Millionen Euro Jahresumsatz sind es bereits 28 Prozent der Unternehmen. Wenn man davon ausgeht, dass das Gros dieser Unternehmen bisher keine internen Verhaltensregeln, sondern unkoordinierten Wildwuchs hat, bleibt abzuwarten, bis es einen deutschen Präzedenzfall in ähnlicher Sache gibt.

Wem gehören die Follower?

Die spannende Frage hierbei ist zunächst: Wem gehören die Follower? Zumal Twitter keine Unternehmenskonten erlaubt, sondern nur Accounts von echten Menschen. Im vergangen Jahr gab es einen ähnlichen Eklat zwischen der Korrespondentin Laura Kuennsberg und der BBC, ihrer Ex-Arbeitgeberin, für die sie getwittert hatte. Folgten die Leute ihr als Journalistin oder der BBC? Dass persönlich eingefärbte Botschaften selbst im geschäftlichen Social-Media-Verkehr vermengt werden mit professionellem Content, mag in vielen Fällen eine durchaus gewollt gepflegte Eigenart der Social-Media-Kommunikation sein. Doch, wo ist die Trennlinie und wie wäre sie zu definieren? Laura Kuennbergs Twitter-Account jedenfalls trug sowohl „BBC“ als auch ihren eigenen Namen in der Bezeichnung, was die Sache komplizierter machte. Am Ende änderte sie ihre Account-Bezeichnung und behielt die Follower.

Den Wert eines Followers zu bestimmen, ist noch ein bisschen schwieriger: Noah Kravitz‘ Ex-Arbeitgeber beharrt auf den „substanziellen Anstrengungen und Mitteln“, die in die Entwicklung der Social-Media-Aktivitäten geflossen waren. Bezüglich der Erhebung von 2,50 Dollar pro Follower bleibt er die Begründung einstweilen schuldig und es darf möglicherweise von reichlich Phantasie ausgegangen werden. Dieser Fall ist jedenfalls noch nicht ausgefochten. Wir bleiben gespannt!

Um einem Mangel an kriteriengestützten „Do’s & Dont’s“ auch bei deutschen Unternehmen Linderung zu verschaffen, ist wohl jedem Unternehmer nur zu raten, einen Moment zu überlegen, welche Bedeutung das Thema in seiner Welt hat, egal, ob er Schrauben herstellt oder Automotive-Zulieferer ist, und wie er sinnvoll und an Zielen gemessen mit Social Media im eigenen Haus umgeht. Vielleicht lohnt ein erster Blick in den BITKOM-Leitfaden, um sich für weitere Überlegungen zumindest inspirieren zu lassen.

Ich bin sicher, es gibt viele Meinungen dazu und bevor nicht ein Gericht eine davon in den Stand geltenden Rechts erhoben hat, können wir freimütig über alles diskutieren: Ich bin gespannt auf Ihre Kommentare!

Viele Grüße
Dirk Dieckmann

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