Google Analytics

Google – Ein erfolgreiches US-amerikanisches IT-Unternehmen, das mit gewohnter Regelmäßigkeit für Skandale in allen Fragen rund um Datenschutz sorgt, insbesondere in Deutschland. Dabei gehen positive Entwicklungen wie der Erfolg des Google-Browsers Chrome oder die erfolgreichen Weiterentwicklungen des iOS-Konkurrenten Android regelmäßig fast unter.

Im vergangenen Jahr schieden sich die Geister an Google Street View, nun ist es das Analyse-Tool „Google Analytics“, das deutsche Datenschützer auf den Plan ruft.Google Analytics ermöglicht Webseitenbetreibern, die Zugriffe auf die eigene Seite genau zu analysieren. So lässt sich ermitteln, wie viele einzigartige Besucher die eigene Seite hat, woher sie kommen und welche Unterseiten oder Inhalte besonders beliebt sind. Wenn man alle Möglichkeiten des Tools kennt und nutzt, bietet Analytics fast unbegrenzte Möglichkeiten der Besucher-Analyse.

Worum geht es bei der Diskussion um Analytics?

In der Debatte steht diesmal nicht nur Google selbst im Fadenkreuz, sondern zusätzlich die Webseiten-Betreiber, die Analytics im Einsatz haben. Sie können bei entstehenden Rechtsverletzungen belangt werden, so steht es zumindest in der Nutzererklärung Googles.

Stein des Anstoßes bei dem seit 2005 verfügbaren kostenfreien Analyse-Tool ist die Aufzeichnung von IP-Adressen, das Übertragen  dieser zu Google-Servern in die USA und die damit mögliche Erstellung von Nutzungsprofilen. Letztlich geht es um die Weitergabe der IP-Adresse an Dritte, in diesem Fall Google. Für die Diskussion ist entscheidend, ob die IP-Adresse als eindeutiges Identifizierungsmerkmal eines Nutzers definiert wird. Wenn ja, so verstößt Google Analytics gegen das Telemediengesetz und damit zugleich auch alle Webseitenbetreiber, die die Software im Einsatz haben. Google selbst hat zwar bereits auf die Kritik reagiert, aus Sicht der Experten aber nicht ausreichend genug. So wird zwar mittlerweile ein Großteil der IPs gekürzt an Google übertragen und viele Nutzer können durch Browser-Plugins eine Aufzeichnung ihrer Daten untersagen. Allerdings wird ersteres nur sporadisch angewendet und bei den Plugins bleiben Nutzer der Browser Safari und Opera bisher außen vor. Das sind immerhin rund zehn Prozent der Internetnutzer in Deutschland.

Da sich Google durch die Nutzererklärung ausreichend rechtlich abgesichert hat und sich nun aus der Affäre zieht, geht der federführende Hamburger Datenschutzbeauftragte Johannes Caspar nun einen anderen Weg. Gemeinsam mit dem „Düsseldorfer Kreis“, dem Zusammenschluss der Datenschutzbeauftragten der Länder, will man nun gegen die Webseiten-Betreiber selbst vorgehen. Immerhin sind sie es, die mit Analytics die Besucher durchleuchten und so zum Beispiel deren Wohnort erfassen und diese Daten, wenn auch unabsichtlich, an Dritte weitergeben. Setzen sie Google Analytics trotz der datenschutzrechtlichen Bedenken weiterhin ein, strebt Caspar an, die Betreiber z.B. mit Bußgeldern zu bestrafen. Auch ein Musterprozess gegen ein größeres Unternehmen steht zur Debatte. In Schleswig-Holstein geht man bereits nach dieser Maßgabe vor. Hier werden Webseitenbetreiber angeschrieben und aufgefordert, die Nutzung von Google Analytics einzustellen. Alle Konten sollen gelöscht und Google schriftlich aufgefordert werden, die Nutzungsdaten zu löschen. Zumindest offiziell folgen alle bisher Betroffenen dieser Aufforderung.

Nicht nur ein Google-Problem

Der Skandal im Skandal in der vergangenen Woche zeigte, dass es sich hier um ein generelles Problem von Analyse-Diensten für Webseiten handelt. So mussten sogar die Kritiker selbst, die Hamburger Datenschützer, ihre Webseite offline schalten, da auf ihr ein nicht datenschutzkonformes Analyse-Tool zum Einsatz kam. Öffentliche Einrichtungen wie die Fakultät für Rechtswissenschaft der Universität Hamburg nutzen selbst Google Analytics und mussten nun die Erreichbarkeit ihres Internetauftritts vorübergehend unterbinden.

Die momentane Diskussion wird wohl erst ein Ende finden, wenn eines geklärt ist:

Sind IP-Adressen personenbezogene Daten oder nicht?

Bereits seit Jahren herrscht rechtliche Uneinigkeit darüber, ob es sich bei IP-Adressen um Daten handelt, die eindeutig einer Person zugewiesen werden können. Dabei wurde vor ein paar Jahren die Frage nach der Personenbezogenheit von IP-Adressen noch eindeutig verneint. Erst die Debatte um die Vorratsdatenspeicherung brachte den Personenbezug der IP-Adresse wieder ins Spiel. Viel passiert ist bisher, trotz aller Klärungs-Bekundungen, nicht. Immerhin beruht unser heutiger Datenschutz immer noch auf einem Gesetz, dass zu Beginn des Informationszeitalters formuliert wurde. Experten wie Jens Ferner bejahen dabei mittlerweile die Personenbezogenheit von IP-Adressen. Wie facettenreich das Thema ist, zeigt die umfangreiche Auseinandersetzung Ferners, die Interessierte hier finden: Personenbezogen?

Hinweis: Nutzer die sich vor der Nachverfolgung ihres Internet-Nutzungsverhaltens schützen wollen, sei die Informationsseite des Landeszentrums für Datenschutz Schleswig-Holstein empfohlen.

Eins macht die Debatte deutlich: Wir brauchen nun endlich ein verlässliches, den Bedürfnissen des modernen Informationszeitalters, angepasstes Datenschutzgesetz. Alle bisherigen Korrekturen und Ergänzungen sind Augenwischerei und werden den Bedürfnissen des Internets und seinem offenen Umgang mit Daten nicht gerecht. Ansonsten wird es auch zukünftig scheinbar ergebnislose Debatten zu Street View, Facebook und Co. geben.

Was halten Sie von der Debatte um Google Analytics? Setzen Sie bei Ihrer Website zur Analyse der Zugriffszahlen Analytics ein? Halten Sie die Weitergabe von IP-Adressen für bedenklich?

Ich freue mich auf Ihre Kommentare.

Viele Grüße,

André Nagel

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