Chromebook – Googles Angriff auf Apple und Microsoft?

Im Rahmen der Entwicklerkonferenz in San Francisco hat Google gestern sein neues Notebookbetriebssystem auf Basis des eigenen Browsers Chrome vorgestellt. Netbooks mit dem neuen Chrome OS, die sogenannten Chromebooks, sind allerdings erst ab Mitte Juni verfügbar, dann aber parallel in sieben Ländern, unter anderem auch in Deutschland. In den USA werden die von Samsung und Acer angebotenen Modelle zwischen 350 und 500 Dollar kosten. Die Preise hierzulande sind noch nicht bekannt.

Was macht Google anders als Microsoft und Apple?

Das neue Betriebssystem von Google hat wenig gemein mit den klassischen Betriebssystemen Mac OS X (Apple), Windows (Microsoft), oder auch Linux. Vielmehr ist es der Inbegriff der Zukunftsvision von einem digitalen Leben in der Cloud (Online-Speicher). Google will mit seinem Chrome OS alte Muster abstreifen und das Arbeiten mit dem PC einfacher und vor allem schneller machen.

Der wohl gravierendste Unterschied zu klassischen Systemen ist der komplette Verzicht auf die Installation von Programmen. Stattdessen setzt Chrome OS ausschließlich auf sogenannte Web-Apps. Ob Textverarbeitung, E-Mail oder auch Tabellenkalkulation, alle Programme werden über den Browser aufgerufen. Die Verwendung der modernen HTML5-Technologie macht es möglich. Außerdem wirbt Google damit, dass die Chromebooks rasend schnell starten. Nur 8 Sekunden sollen nach dem Druck auf den Startknopf vergehen, bis sie einsatzbereit sind. Der völlige Verzicht auf die lokale Installation von Programmen soll zudem dafür sorgen, dass die Sicherheit des Systems signifikant steigt, denn Schadsoftware hat keinen direkten Angriffspunkt mehr. Wer nun denkt, er müsse permanent online sein, um überhaupt mit den neuen Chromebooks arbeiten zu können, der liegt falsch. Google hat dem Chrome OS einen „Offline-Modus“ spendiert, in dem sich Programme zum Teil auch ohne Anbindung an das Internet nutzen lassen.

Ein Nachteil ist mit Sicherheit die zum Start beschränkte Auswahl an Programmen. Wer allerdings schon jetzt mit dem Kauf eines Chromebooks liebäugelt, kann sich zumindest schon einmal den „Chrome Web Store“ ansehen und sicherstellen, dass die für einen persönlich wichtigen Programme verfügbar sind. Diese lassen sich übrigens auch im ganz normalen Chrome-Browser für Windows und Mac nutzen und testen. Installierte Programme reihen sich dann beim Anlegen eines neuen Tabs in die Darstellung der am häufigsten und kürzlich geschlossenen Webseiten ein. Im Web Store sind auch bereits Programme verfügbar, die eine rudimentäre Verwaltung von lokalen Dateien, z.B. auf einer SD-Karte ermöglichen. So lassen sich bspw. Bilder mit einem Klick in den Online-Speicher bei Googles Bilderdienst Picasa hochladen.

Was allerdings in Anbetracht der kürzlich bekanntgewordenen Datenskandale von Facebook und Sony fast etwas befremdlich wirkt, ist das Werben von Google mit der besonderen Sicherheit des Chrome OS durch die Speicherung aller Daten in der Cloud. Immerhin geben Nutzer im Zuge der Nutzung der neuen Chromebooks alle persönlichen Daten in die Hand von Google und seinen Servern. Ob das in einem so datensensitiven Land wie Deutschland funktionieren wird?

Wer sich die Funktionen des Chrome OS einmal im Bewegtbild anschauen möchte, kann dies hier tun: Chromebook – Offizielle Infoseite von Google

Was meinen Sie, kommt ein Chromebook für Sie in Frage? Könnten Sie sich vorstellen, von einem Windows- oder Mac-Betriebssystem vollständig auf das Chrome OS umzusteigen?

Ich freue mich auf Ihre Kommentare.

Viele Grüße,

André Nagel

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